… oder der Kampf in meinem Kopf

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Dank an meinen Therapiehund :-)

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Das ist er … mein riesiger, tolpatschiger und herzensguter Akelo … Heute ist es einmal Zeit, ihm DANKE zu sagen. Danke dafür, dass er es immer wieder schafft, mich immer wieder zu überzeugen, dass mein Schwindel doch auf keinen Fall so schlimm sein kann, dass ich auf eine Runde mit ihm durch den Wald verzichten wolle … Und er hat meist Recht. Habe ich erst meinen Mut zusammen gerafft, mir die Leine geschnappt und bin 10 Minuten neben ihm hergestapft, merke ich, dass die Luft gut tut … die Bewegung auch … ebenfalls die Ablenkung durch meinen aufgeregten, an Allem und Jedem interessierten Begleiter … und mir nichts, Dir nichts sind 1 1/2 Stunden vergangen und ich bin immer noch nicht umgekippt und der Schwindel hat mich noch nicht niedergerafft.

Gut, manchmal wird es mir schon mulmig draußen oder es dreht sich alles ein bisschen oder die Beine werden weich, aber mein lieber Freund zwingt mich weiter zu gehen und gibt mir keine Chance, mich zu sehr in meine Angst zu vertiefen …

Und er hat Recht, wir kommen jedes Mal wohlbehalten und mit frischer Luft betankt, wieder zu Hause an … Hätte ich meiner Angst oder meinem Gefühl nachgegeben und wäre zu Hause „in Sicherheit“ geblieben, wäre mir so manches schöne Erlebnis oder Bild nicht zugänglich gewesen und die Angst hätte gewonnen .. und hätte beim nächsten Mal noch viel schlimmer zugeschlagen. Danke, Akelo, dass Du mein Verbündeter im Kampf gegen diesen Schwindel bist … 🙂

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Rar gemacht …

Ich habe mich wirklich rar gemacht … hier auf dieser Seite …

Zum Glück liegt es wohl daran, dass es mir sehr, sehr viel besser geht Nein, ich bin nicht schwindelfrei, aber der Schwindel hat sich auch rar gemacht bzw. ich habe gelernt, immer besser damit umzugehen. Die Angst hat mich kaum noch im Griff … obwohl immer noch ein bisschen Restangst da ist, dass es wieder ganz schlimm werden könnte (und ja, ich weiß, das ist kontraproduktiv).

Also, was ist zu meiner Entschuldigung vorzubringen …? – Nun ja, vielleicht ist der Mensch nunmal so, dass er Dinge vernachlässigt, die ihm halfen, als es ihm sehr schlecht ging, sobald es ihm wieder besser geht. Keine schöne Eigenschaft, aber sicherlich hat es wohl auch bei mir damit zu tun …

Es gibt Tage, da bin ich nahezu schwindelfrei und dann gibt es wieder Tage, da drehen sich Bilder nach oder Hintergründe bewegen sind, wenn ich zum Beispiel konzentriert auf einen Bildschirm starre. Es gibt auch noch Tage, da wird der Boden weich und wabbelig, wenn ich spazieren gehe, aber da ich jeden Tag raus muss, setzt mir dann die Angst nicht mehr zu. Eigentlich war unser Hund ein ganz großer Teil meiner Therapie. Wir haben ihm im letzten Jahr zwei Tage vor Weihnachten abgeholt – in einer Phase, wo es mir noch ziemlich schlecht ging und dieses kleine Würmchen hat nicht danach gefragt, wie es mir geht und ob ich es wohl schaffen kann, ein Stündchen mit ihm spazieren zu gehen, sondern ich musste raus … Okay, dabei gab es auch Tage, wo ich dachte, gleich liege ich hier auf dem Waldboden und kann mich keinen Meter mehr weiter bewegen … Es gab auch Momente, wo die altbekannte Angst in mir hochkroch und mich panikartig nach Luft schnappen ließ … aber diese Momente habe ich durch die tägliche „Spaziertherapie“ überwinden müssen, denn irgendwie mussten mein Hund und ich ja wieder nach Hause.

Dazu kam, dass Physiotherapeuten und natürlich auch ich, ganz massiv an meinen Problemen in der Hals- und Schultermuskulatur arbeiteten und immer noch arbeiten. Und letztendlich hat wohl auch das neue Bett und das neue Kissen einen großen Teil zu der Verbesserung beigetragen.

Ob der Schwindel eines Tages ganz weg sein wird, weiß ich nicht … aber so, wie ich ihn im Moment erlebe, so kann ich ganz gut damit leben und auch meiner Arbeit und meinen Pflichten nachkommen … und auch wieder mehr das Leben genießen und schöne Dinge erleben … Und das trägt auch wieder zur Verbesserung bei …

Die Angst ist noch nicht ganz weg … aber sie hat mich immer weniger im Griff und das macht das Leben wieder lebenswerter …

Ein guter Tag

Gestern war wieder ein guter Tag. Klar, ich hatte ab und an ein bisschen Schwindel oder ein diffuses Gefühl im Kopf, aber ich habe es nicht weiter beachtet bzw. als guten alten Bekannten begrüßt und so hat es mich nicht weiter belästigt. Immer mal wieder wollte es ein bisschen stören und mir melden, dass es noch da ist. Aber wenn ich es dann kurz bemerkt hatte und ihm zeigte, dass er sich wohl wisse, dass es noch da sei, zog es sich wieder zurück.

So, wie es ist, ist es im Moment ganz okay. Wenn ich rückblickend an die Zeiten denke, wo ich kaum eine halbe Stunde laufen konnte, ohne dass mich nicht ein massiver Schwindel und ein starkes Angstgefühl einholte, geht es mir im Moment wirklich relativ gut. Ich will hoffen, dass das so bleibt.

Heute ist mein freier Tag. Aber leider bedeutet der freie Tag nicht, dass ich ihn so nutzen könnte, wie es mir am meisten Spaß machen würde. Sondern der freie Tag ist meist mit den Aufgaben vollgepackt, die ich unter der Woche nicht schaffen konnte. So brummt nun schon die zweite Waschmaschine unten im Keller. Und gleich wartet ein total vollgestaubtes Wohnzimmer darauf, von mir gründlich sauber gemacht zu werden. Wir haben gerade den Ofenbauer da und er bohrt mit riesigen Bohrkronen in unsere Wände, um den Kaminofen anzuschließen. Und so ganz staubfrei bleibt das leider nicht, aber dafür können wir es uns vielleicht schon heute Abend an einem prasselnden Feuer vorm Kaminofen gemütlich machen … 🙂

Wieder im Job

Heute ging es dann wieder los (nach 1 Woche Urlaub und 1 Woche Uniklinik) und irgendwie war es dann doch ein bisschen unwirklich, wieder am ganz normalen Leben teilzuhaben und ganz normal arbeiten zu gehen. Ich meine, es fehlte einfach noch ein bisschen Abstand zu den wahnsinnig vielen Eindrücken und Erlebnissen im Schwindelzentrum.

Natürlich haben sich alle gefreut, dass ich wieder da bin. Aber direkt nach der Freude kamen auch direkt die Aufgaben und Arbeiten aus allen Ecken auf mich zugeflogen 😉 Okay, es macht ja auch Spaß, aber war dann schon ein bisschen heftig. Dazu 300 Mails, die man abarbeiten muss (so viel hatte sich in den letzten 2 Wochen angesammelt).

Seltsamerweise ging es mir heute im Büro deutlich schlechter als am Wochenende zu Hause. Ich fühlte einen Druck im Kopf und auf den Ohren und immer mal wieder drehte sich alles ein bisschen nach und auch der Boden fühlte sich ab und an komisch (und weich) an. Zum Glück hat mich das nicht sehr erschreckt und so gut wie gar nicht aufgeregt. Seltsam ist es dennoch, dass es mir direkt wieder deutlich schlechter geht. Ich denke, da muss ich mich sehr wahrscheinlich doch noch ein wenig mehr eindenken. Was sind die Gründe, die dahinter stecken könnten? Liegt die Ursache tiefer? Ist der Druck doch so viel höher im Beruf (wobei ich wirklich absolut keinen Druck heute verspürt habe)? Ich weiß noch nicht genau, wie ich da an des Rätsels Lösung komme…

Zu Hause ging es mir dann trotz jeder Menge Hausarbeit, Wäschebergen und diverser Abholjobs (der Kinder) direkt viel besser. Das ist schon ein bisschen merkwürdig …

Hmmm, nun, ich brauche wohl noch ein bisschen Geduld. Es kann bis zu einem Jahr dauern, bis der Schwindel ganz verschwindet und es kann auch immer mal wieder Rückschläge geben. Das ist völlig normal …

So, jetzt mach ich noch ein bisschen Schwindeltraining und dann geht es auf die Couch …

Ein Gedanke …

Sollte man die Krankheit eher als Feind oder als Freund betrachten?

Als ich gerade die Wäsche zusammenlegt, schoss mir ein Gedanke in den Kopf. Vielleicht ist es falsch von mir, den Schwindel als Feind zu  betrachten und dagegen in den Kampf zu ziehen. Vielleicht ist es besser, die Erkrankung anzunehmen und als Hinweis meines Körpers zu verstehen?

Ich habe mal gelesen, dass es sich bei den Menschen, die so langfristig vom Schwindel betroffen sind, gerade um Personen handelte, die das ganze Leben durchgetaktet hatten. Alles organisiert. Alles perfekt im Griff. Keine Zeit zum Durchatmen. Aber starkt und fest im Leben stehend. Diese Menschen könnten den Schwindel als eine Möglichkeit des „Innehaltens“, des zwanghaften ruhiger-werdens, als Chance über ihr Leben nachzudenken, annehmen. Denn ein Leben, wo jede Minute durchgeplant ist, mit den Stresssituationen, die entstehen, wenn halt ein Zeitplan durch äußere Umstände nicht eingehalten werden kann, ein Leben ohne Ruhepausen und Rückzugsmöglichkeiten, ist auf Dauer nicht gesund und schadet dem Körper und der Psyche immens und so bremst halt der Schwindel den Körper aus … so, wie es jede andere Krankheit, wie ein Herzinfarkt oder Schlaganfall, auch hätte tun können. Puh, dann könnte ich tatsächlich wirklich dem  Schwindel dankbar sein … also, dass es nur der Schwindel ist und nichts Ernsteres …

Denn ausgebremst hat er mich. Hat mich klein werden lassen, obwohl ich immer stark sein wollte und auch so wirkte. Hat mich um Hilfe bitten lassen, obwohl ich nur ganz schlecht um Hilfe bitten kann. Hat mich nachdenklich werden lassen, anstatt jeden Tag nur im Alltragstrott gedankenlos zu begehen.

Gut, zugegeben, ich hätte auch gerne auf all diese Erfahrungen verzichten können. Auf der anderen Seite sind es Erfahrungen, die ich noch nie gemacht habe und die mich erstmals über mein Leben und dessen Endlichkeit haben nachdenken lassen. Mein Gott, habe ich in den letzten Wochen und Monaten gegrübelt und nachgedacht. Habe nach Ursachen gesucht, nach Lösungen gesucht und nach jedem Strohhalm gegriffen, war am Verzagen, am Klagen, am Selbstbemitleiden, am Hoffen, am Ausprobieren … Aber ehrlich gesagt, habe ich niemals versucht, den Schwindel wirklich anzunehmen. Gut, ich habe darüber gelesen und auch mit einer Freundin gesprochen, die die Auffassung verträgt, dass man jede Krankheit, jedes Gefühl, jede Empfindung annehmen muss, bevor sich etwas bessern kann. Ja, das klang durchaus plausibel und ich hatte es auch nicht völlig ausgeschlossen, aber angenommen habe ich den Schwindel niemals …

Vielleicht ist er doch mein Freund und nicht mein Feind …

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