… oder der Kampf in meinem Kopf

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Wieder zurück …

Zum einen bin ich – nach längerer Pause – wieder zurück auf dieser Website, aber leider hat mich mein treuer Begleiter – der Schwindel – wieder zurück erobert … Nicht, dass er mich jemals ganz allein gelassen hätte, aber es gab sogar ganze Tage, wo ich keinen Schwindel hatte oder immer nur leichte Anflüge von kleinen Schwindelattacken …

Seit Weihnachten ist es wieder schlimm … Allerdings war die Zeit vor Weihnachten auch superstressig – zum einen im Job, weil alles doch noch irgendwie fertig werden musste und zum anderen auch privat. Mein Schwiegervater ist am Krebs erkrankt und gerade Ende des letzten Jahres ging es ihm sehr, sehr schlecht. Dazu kam noch ein tragischer Todesfall in der Familie eine Woche vor Weihnachten. Ob mir das den Rest gegeben hat?

Auf jeden Fall bin ich so dermaßen verspannt in Nacken und Schultern, dass kein Arzt oder Physiotherapeut diese Verspannungen lösen kann. Mein neuer Hausarzt (den ich seit Herbst letzten Jahres habe, da mich der andere am liebsten mit Psychopharmaka therapieren wollte) glaubt fest daran, dass es einen Zusammenhang zwischen HWS und den damit verbundenen Problemen und dem Schwindel gibt und will mich nun in den zweiten Ärztemarathon schicken (also noch einmal alle Fachärzte abklappern), was vielleicht gar nicht so schlecht ist, denn mittlerweile sind viele Untersuchungsergebnisse ja über zwei Jahre alt. Allerdings habe ich die Facharzttermine erst im März bekommen (dabei soll es ja ab Anfang dieser Woche viel schneller mit diesen Terminen gehen 😦 ) Mal schauen, was dabei heraus kommt.

Ich selbst muss aufpassen, dass mich der Schwindel nicht zu sehr herunterzieht und ich wieder in diese Angstspirale rutsche, aber es ist auch wirklich ein schreckliches Gefühl, wenn man auf einen großen Spaziergang mit dem Hund unterwegs ist und plötzlich wird der Boden weich, der Kopf wird matschig und alles dreht sich irgendwie im Kopf nach. Da kann man doch Angst bekommen, oder?

Ich darf mich nicht unterkriegen lassen, muss hart an mir arbeiten, mich zwingen, alles zu machen, was ich mir vornehme und ich muss diese Angst bekämpfen, die immer wieder aufzukeimen droht. Damals war mir tatsächlich dieser Blog eine Stütze, denn es tut gut, sich all diese Dinge von der Seele zu schreiben. Die meisten Menschen in meinem Umfeld können mit Schwindel nicht allzu viel anfangen und verstehen gar nicht, was der Schwindel innerlich in einem auslösen kann. Danke, dass dieses „Papier“ geduldig ist und ich hier alles aufschreiben darf, was mich beschäftigt…

 

 

Der Schwindel schwindet …

Du meine Güte … es ist über ein halbes Jahr vergangen seit meinem letzten Eintrag …

Schön wäre es gewesen, wenn ich nichts mehr zu schreiben gehabt hätte, weil mein Schwindel verschwunden ist … ist er leider nicht, aber sehr, sehr viel besser geworden …

Es gibt wirklich Tage, da bin ich schwindelfrei … und es gibt wirklich eine starke Annahme von mittlerweile immerhin 4 Personen, dass der Schwindel doch mit meinen chronischen Verspannungen im Schulter-Nackenbereich und meinen massiv verhärteten Muskeln und Faszien an diesen Stellen zu tun hat. Und seitdem wir daran behandeln, wird es besser … und der Schwindel weniger …

In den letzten Monaten habe ich viele Erfahrungen machen dürfen … Im Januar und Februar bestimmte massiver Schwindel mein Leben und dadurch kamen auch wieder die damit verbundenen Ängste und Panikattacken durch … nicht mehr so schlimm wie vor einem Jahr, aber doch so gewaltig, dass ich nicht arbeiten konnte, da die Welt aus weichem Gummi und vielen unfreiwilligen Kopfkarussellfahrten bestand. Im März war es wieder etwas besser. Im April und Mai durfte ich Patient einer TCM-Klinik in Bayern werden … eine sehr interessante Erfahrung und viele neue Gedanken- und Heilungsansätze!

Und seitdem geht es bergauf… Ich gehe einmal die Woche zu einem „Rücken-Heilpraktiker“, der pyhsiotherapeutisch, chiropraktisch, osteopathisch und faszientechnisch an mir herumbehandelt und dazu noch einmal die Woche zu einem TCM-Therapeuten, der mir eine wirklich gut wirkende Akupunktur verpasst. Beides natürlich auf eigene Kosten, denn keine Krankenkasse der Welt zahlt so etwas freiwillig. Bald muss ich mir Gedanken machen, auf welche Behandlung ich als erstes verzichten kann und möchte, denn auf Dauer wird mein Geldbeutel das nicht mehr mitmachen. Dazu mache ich jeden Tag Qigong (welches ich aus der chinesischen Klinik mitgebracht habe), verpasse mir ein TENS-Gerät und packe mir abends mehrfach irgendwelche Körnerkissen und Moorpackungen auf den Nacken. Dazu benutze ich jeden Morgen und Abend meine Blackroll und meinen Blackball. Eine neue Matratze, ein neuer Lattenrost und ein dazu passendes Kopfkissen lassen meine Schlaf erholsamer werden und mit all diesen Maßnahmen sind die Verspannungen und auch der Schwindel erträglich ..

Aber die Ärzte, also die Schulmediziner, bleiben dabei, dass der Schwindel nur psychischer oder phobischer oder psychosomatischer Natur ist und somit keine Behandlungen in Richtung Physiotherapie oder Massagen oder Akupunktur gewährt werden müssten … Was ich dabei am allerärgerlichsten finde … ja, ich finde mich sogar ein wenig von den Ärzten entmündigt, dass mir niemand zuhört und mir glauben will, dass der Schwindel mit den Verspannungen in meinen oberen Körperregionen zu tun hat … wenn die stärker werden, nimmt auch der Schwindel zu … Komisch finde ich nur, dass die Maßnahmen, die ich vorhin aufgezählt habe, aber helfen und die Medikamente der Ärzte kein bisschen am Schwindel verändern konnten …

Negativ

Die Ergebnisse der Blutuntersuchung waren negativ bzw. im Normbereich. Also scheidet die Schilddrüse tatsächlich als Verantwortliche für den Schwindel aus. Irgendwie bin ich auf der einen Seite froh darüber, dass mit der Schilddrüse alles okay ist, auf der anderen Seite bin ich aber etwas enttäuscht, denn wenn sie als der Verursacher meines Dauerschwindels entlarvt worden wäre, wäre ich vielleicht gut mit Medikamenten eingestellt worden und der Schwindel hätte sich dann ganz von allein gelegt.

So heißt es also, weiter an der Psyche arbeiten. Die Angst eindämmen. Die Angst überwinden. So leicht ist das leider nicht, wenn der Auslöser irgendwo im Verborgenen, im Unbewussten liegt und ich ja manchmal gar nicht merke, wie die Angst bei irgendeinem Schwindelerleben langsam hochkriecht. Mit einem Male ist sie da und schlägt dann erbarmungslos zu. Und an dieser Stelle kann ich dann im Moment nur ansetzen. Ich muss dann versuchen, ruhig zu bleiben, um die Angst und somit den Schwindel dann nicht noch zu verstärken.

Schöner wäre es, wenn ich sie irgendwo im Verborgenen, im Unbewussten packen könnte. Wenn ich also viel tiefer ansetzen könnte, um die Angst als Schwindelverstärker erst gar nicht entstehen zu lassen. Ich weiß nur nicht, wie ich das anstellen soll. Ob mir eine Psychotherapie etwas bringen würde?! Der Arzt im Schwindelzentrum meinte, dass vielleicht eine Verhaltenstherapie helfen würde. Mein Hausarzt hält dagegen, dass er das nicht glauben würde, da mein Schwindel ja nicht nur in bestimmten Situatioen oder an bestimmten Orten auftritt. Bei anderen Phobien ist eine Verhaltenstherapie sicherlich das geeignete Mittel der Wahl. Mein Hausarzt glaubt nicht, dass mir unbedingt eine Psychotherapie helfen würde. Na, ja, und selbst, wenn ich es einfach versuchen wollte, die Wartezeiten bei Psychotherapeuten liegen hier in der Gegend zwischen 4 bis 6 Monaten. Also ein spontaner Entschluss und ein spontanes Umsetzen ist somit gar nicht möglich.

Ich denke, ich warte einfach erst einmal ab, was die nächste Woche im Schwindelzentrum bringen wird. Vielleicht bekomme ich dort auch neue Ideen, wie ich bei mir noch besser ansetzen kann ….

Letzter Check

Heute Morgen war ich noch einmal zur Blutabnahme bei meinem Hausarzt, um abzuklären, ob nicht eventuell doch die Schilddrüse Auslöser für diesen diffusen Dauerschwindel ist. Morgen bekomme ich das Ergebnis. Sollte das negativ sein, ist wohl tatsächlich der phobische Schwindel dafür verantwortlich. Aber das nehme ich ja eigentlich längst an und deshalb muss ich den Kampf dagegen weiterkämpfen.

Nächsten Montag beginnt meine Woche in dem Schwindelzentrum der Essener Uniklinik. Ich bin gespannt, ob ich da weitere neue Erkenntnisse oder vielleicht auch weitere Lösungs- oder Therapiemöglichkeiten kennen lerne. Allerdings werden mich 5 Tage dort nicht komplett von meinem phobischen Schwindel heilen können. Der Arzt meinte, da er sich jetzt schon so lange aufgebaut hat, wird es auch lange dauern, ihn loszubekommen. Trotzdem bin ich gespannt auf diese Zeit und ich bin auch neugierig auf die Menschen mit gleichem oder ähnlichem Leiden, die ich dann in dieser Klinik treffen darf. Was mich an meisten daran freut, ist, Gespräche mit Menschen über den Schwindel zu führen, die genau wissen, wovon Du redest. Klar, die meisten Menschen haben schon mal mehr oder weniger Schwindel verspürt. Alleine, wenn man sich zu schnell dreht oder ein wildes Karussell fährt. Aber wer noch nicht so lange an einem Schwindel gelitten hat (also über Wochen und Monate und sogar Jahre), der kann gar nicht erahnen, wie sehr so ein Schwindel Dein Denken und Handeln extremst beeinflussen kann und wieviele Möglichkeiten und Situationen man in so einem Zustand verstreichen lässt, ohne sie zu leben oder zu ergreifen. Hmmm, jetzt habe ich mich ein bisschen diffus ausgedrückt. Ich meine, in meiner jetzigen Situation würde ich niemals meinen Job wechseln, egal, wie sehr er mich nervt oder langweilt. Aber wie könnte ich einem neuen Job nachgehen, evtl. sogar die Firma wechseln und dann werde ich plötzlich wieder von so heftigen Attacken heimgesucht?! Nein, das würde ich nicht wagen!

Oder auch eine lange Fernreise würde ich zur Zeit nicht antreten. Was, wenn einem dieser schlimme Drehschwindel mit Übelkeit und Panikattacken überfällt und Du sitzt 15 Stunden im Flugzeug. Oder Du hälst Dich später in einem Land auf, Tausende von Kilometern von zu Hause entfernt und Du liegst machtlos und kraftlos in irgendeinem fremden Hotelbett und kannst Dich nicht mal aufrecht zur Toilette bewegen, ohne dass Du umkippst. Nein, solche Dinge würde ich derzeit einfach nicht angehen. Und es gibt sicherlich noch ganz ganz viele Situationen mehr, die ich meide oder versuche zu umgehen oder die ich verschiebe.

Das ist schon irgendwie eine enorme Beeinträchtigung … allein, dass Du diese Möglichkeiten für Dich innerlich ausschließt … Du bist mit Schwindel nicht wirklich frei in Deinen Entscheidungen … ganz sicher nicht …

Geschafft geschafft

Wirklich in doppelter Hinsicht. Ich habe den Termin heute in der Uniklinik in Essen geschafft und war danach auch ganz schön geschafft und bin auch jetzt ziemlich müde.

Der Termin war wirklich sehr gut. Gleich nach der Anmeldung im Schwindelzentrum musste man direkt einen bestimmt 20seitigen Fragenkatalog zum Thema Schwindel beantworten. Ich war damit gerade fertig, da rief mich schon ein Arzt in ein Besprechungszimmer. Der Arzt war wirklich sehr nett, allerdings sah er sooo jung aus, dass ich ihn am liebsten gefragt hätte, wann er denn sein Studium beendet hat (grins). Was toll an ihm war (obwohl er so jung aussah), er strahlte eine unheimliche Ruhe aus und hörte sich meine ganze Krankengeschichte an. Schon vorher hatte er meinen Schwindelbericht durchgelesen (und er hatte ihn tatsächlich gelesen, denn er fragte an mehreren Stellen gezielt nach). Allein für dieses Gespräch nahm er sich bestimmt eine halbe Stunde Zeit und war sich schon am Ende relativ sicher, dass ich nicht nur an einer Schwindelform leide.

Er machte noch ein paar Untersuchungen, auch ein paar schwindelauslösende Manöver. Danach musste ich dann zur kalorischen Untersuchung (Ohrspülungen mit kaltem und warmen Wasser, die Schwindel auslösen müssen. Das faszinierende an dieser Untersuchung ist, dass, wenn man keinen Schwindel empfindet, etwas mit dem Gleichgewichtsorgan nicht stimmt). Mir wurde auch richtig arg schwindelig und schummrig. Zum Glück dauert diese Untersuchung mit Erholungsphasen nicht länger als 20 Minuten.

Dann musste ich wieder auf den Arzt warten. Da ich meine MRT-Bilder vom Kopf mit dabei hatte und auch diverse Arztberichte, mussten keine weiteren neurologischen Untersuchungen gemacht werden, da der Arzt eigentlich nur seine Vermutungen bestätigt haben wollte.

Die Wartezeit war dann allerdings ziemlich lang, aber irgendwann war ich dann wieder an der Reihe. Was mich verwunderte, war eine positive Nachricht. Mein Gleichgewichtssinn im linken Ohr hat sich lt. heutiger Untersuchung wieder angeglichen, wobei tatsächlich der Ausfall Ursache für die Schwindelattacke Anfang August war. Das ist aber nicht die einzige Schwindelursache. Sehr wahrscheinlich leider ich auch immer mal wieder unter einen Lagerungsschwindel (Kristalle, die im Ohr verrutschen) und auch letzte Woche diese Schwindelattacke weist eher auf einen Lagerungsschwindel hin. Das würde auch die immer wiederkehrenden massiveren Schwindelattacken erklären. Das Gute daran ist, dass der Lagerungsschwindel relativ harmlos ist, das Schlechte daran ist, dass er mich immer wieder heimsuchen kann. Warum das so ist, weiß man nicht. Man kann dieser Schwindelform auch gar nicht vorbeugen. Wenn man einmal daran gelitten hat, kann sie immer wieder kommen, klingt aber wieder ab, sobald die Kristalle im Ohr wieder an die richtige Stelle gerutscht sind.

Die dritte Schwindelform, die bei mir wirkt, ist ein phobischer Schwindel, den ich durch meine Angst beim Erleben der Schwindelattacken entwickelt habe. Dieser Schwindel entsteht durch Angst, ist aber real. Er hat nur keine organische Ursache. Und das Doofe daran ist, das ist der hartnäckigste Schwindel, an dem ich leide, da ich ihn einfach über 11 Monate schön entwickelt habe und da nichts dagegen unternommen wurde (außer, dass ich diesem Schwindel den Kampf angesagt habe), wird es auch relativ lange dauern, ihn wieder loszuwerden.

Der Arzt hat mir vorgeschlagen, dass ich für eine Woche in die Tagesklinik des Schwindelzentrums kommen soll, damit ich mit Gleichleidenden den Grundstock für die Therapie legen können. Und zum Glück habe ich dort schon einen Termin in 3 Wochen bekommen. Normalerweise liegen die Wartezeiten hier bei 6 bis 8 Wochen. Die Woche ist wohl gefüllt mir Vorträgen, Physiotherapie, Psychotherapie, Arztgesprächen etc. Ich bin gespannt darauf und freu mich echt darauf, endlich professionelle Hilfe an die Hand zu bekommen … und ich so mit geschulten Kräften den Kampf in meinem Kopf noch gezielter und besser führen kann …!!!

Diffus …

Ich habe immer noch so ein diffuses Gefühl im Kopf, stehe neben der Spur und habe teilweise das Gefühl, dass ich einen Film schaue und nicht am realen Leben teilhabe … Kann aber auch sein, dass die Tabletten mit ihrer dämpfenden Wirkung dieses Gefühl und auch eine leichte Leere in meinem Kopf erzeugen …

Jetzt sitze ich hier  (mehr …)

Schlapp gemacht …. :-(

Es geht nicht. Ich schaffe es heute einfach nicht zur Arbeit. Immer wieder habe ich leichte Drehschwindelattacken. Dazu ist mir unwohl (vielleicht auch wieder die Angst?!) und ich bin unruhig und zittrig. Die Nacht war grässlich. Beim Einschlafen bzw. beim Versuch dabei, fing es sich immer wieder vor Augen an zu drehen, wenn ich diese schloss … Trotzdem versuchte ich, ruhig zu bleiben und mit einer Atemtechnik von diesen Symptomen abzulenken. Das gelang mir nicht immer und sobald meine Konzentration auf das Atmen nachließ, drehte es sich wieder heftigst vor Augen (obwohl diese zu waren). Irgendwann bin ich dann schließlich eingeschlafen, aber ich war jede Stunde war, schlief sehr unruhig und heute Morgen hatte ich das Gefühl, als wäre ich unter einen Trecker geraten … total müde, kaputt, zittrig, schwindelig, ein wenig ängstlich …

Also bin ich zu meinem (tollen) Hausarzt. Der hat mich für heute und morgen aus dem Verkehr gezogen. Ich solle zur Ruhe kommen, mich ausruhen und Stress abbauen :-(. Und mir geraten, auf jeden Fall (auch mit Schwindel) am Montag in dieses Schwindelzentrum nach Essen zu fahren und ich solle auf die Kompetenz dieser Fachleute dort vertrauen … Das will ich ja gerne versuchen, aber zu oft ist in den letzten Monaten mein Vertrauen in die Ärzteschaft doch enttäuscht worden … Trotzdem – auf Montag arbeite ich hin. Bis dahin muss ich langsam machen, durchatmen, ruhig werden und mich nicht wieder von der Angst lähmen lassen …

Arztbesuch

Gestern hatte ich mir noch ganz spontan für heute einen Termin bei meinem neuen Hausarzt gemacht. Irgendwie war mir alles zu schwammig, alles zu verkorkst. Nicht nur, dass ich seit Wochen wieder verstärkt diesen Schwindel habe, aber durch die vielen Infusionen, Medikamente, Aufregungen ist mein Kreislauf irgendwie total verkorkst, mein Magen marode und ich vertrage die einfachsten Dinge nicht mehr. Früher war ich ein echter Kaffee-Junky. Gestern hatte ich nach Wochen mal wieder ein halbe Tasse Kaffee versucht. Die Quittung dafür kam eine Viertelstunde später. Zittern, Unruhe und noch abends beim Einschlafen hatte ich das Gefühl, ich hätte mindestens 10 Liter Kaffee konsumiert.

Nun ja, und da man als Schwindelpatient ja meistens schon einen monatelangen oder gar jahrelangen Ärztemarathon hinter sich hat und eigentlich bei jedem Arzt völlig mut- und hoffnungslos und irgendwie mit dem Gefühl des „allein-gelassen-werden“ wieder hinauskomplimentiert wird mit so „mutmachenden“ Aussagen, wie „Das wird schon wieder.“ „Alles braucht seine Zeit.“ „Zum Glück ist es nichts Lebensbedrohliches“, war ich gestern vielleicht auch in der Stimmung, dass ich das Gefühl hatte, ich bräuchte einen Arzt zum Reden – der mir mal zuhört – auch, weil es mir ja den ganzen Tag nicht so gut ging.

Gestern Abend hatte ich dann noch etwas Witziges in meinem Tagebuch ausprobiert. Ich schrieb einen Eintrag „Mein perfekter Tag“ – und dieser Tag war auf heute bezogen, sozusagen eine Vorwegnahme und ich malte mir das Arztgespräch richtig gut aus. Ein Arzt, der sich Zeit nimmt und zuhört, der verständnisvoll ist und mich und meine Gefühle und auch Ängste versteht. Eigentlich sollte sich ja jeder Arzt so geben und für seine Patienten da sein, aber ich habe gerade im letzten Jahr leider überwiegend das Gegenteil kennengelernt. Schlechtgelaunte Sprechstundenhelferin, ein Arzt, der in Eile ist, eine Patientenabfertigung im Akkord, keine Zeit für Fragen des Patienten, Vertrösten des Patienten, um ihn schnell wieder loszuwerden und vor allen Dingen, den Patienten mit seiner Krankheit/Symptomen dann wieder alleine lassen, wenn das Fachgebiet des Arztes, ausschließen konnte, dass die Lösung in seinem Fachgebiet liegen könnte …

Also, heute Morgen bin ich dann zu meinem neuen Arzt, den ich heute erst das zweite Mal gesehen habe. Doof war, dass ich ziemlich lange warten musste, aber da ich heute ja noch krankgeschrieben bin, war es nicht weiter schlimm, denn ich hatte ja Zeit. Dann kam irgendwann mein Arzt und was soll ich sagen, das Gespräch lief noch besser, als ich es mir am Vortag schon in meinem Tagebucheintrag ausgemalt hatte. Der Arzt nahm sich Zeit, er hörte mir zu, er verstand mich und meine Gefühle, Ängste, Empfindungen. Wir diskutierten auch über die Ergebnisse des HNO (Ausfall Gleichgewichtsorgan links zu 50 %). Gegen der Meinung des HNO, dass sich das Organ wieder auf 100 % angleichen würde, meinte dieser Arzt nun, dass ich nicht davon ausgehen solle. In der Regel würde sich so ein Gleichgewichtsorgang innerhalb von 6 Wochen wieder erholen. Da meines heute noch auf dem Stand wie im Oktober 2013 sei, müsse ich leider davon ausgehen, dass es sich nicht mehr komplett erholen würde. Puh, das war dann doch ein Schock. Hatte ich mich doch immer an die komplette Gesundhung hoffnungsvoll geklammert. Aber dennoch müsse ich nicht ein Leben lang mit diesem Schwindel leben, denn mit einem Gleichgewichtsorgan, was nur zur Hälfte funktioniere, sei ein Leben ohne Schwindel durchaus möglich. Allerdings meine er, sei das im Moment gar nicht vorrangig, sondern meine Psyche, meine Ängste, meine Sorgen müssen wir als erstes in Angriff nehmen. Ich müsse zur Ruhe kommen – innerlich und äußerlich. Müsse wirklich versuchen, so wenig Stress, wie möglich zu erleben. Dürfe mir auch selbst nicht so viel Stress bereiten – mit zum Beispiel den Anspruch der Perfektion. Müsse an mich denken. Mir Hobbys suchen, die mich runterbringen. Sorgen abbauen. Und den Schwindel im Moment als gegeben hinnehmen und akzeptieren, anstatt damit zu hadern und mich aufzuregen.

Ein richtig tolles Gespräch – auch, weil es in die Richtung ging, in die ich ja auch schon unterwegs bin. Ich habe jetzt ein pflanzliches Beruhigungsmittel (kann man es so sagen?) bekommen, um innerlich zur Ruhe zu kommen und weiter an mir zu arbeiten, was z. B. Angstabbau oder -kompensation betrifft.

Ich habe vielleicht heute die Hoffnung verloren, komplett wieder gesund zu werden. Vielleicht muss ich mit diesem Schaden im Innenohr ein Leben lang leben, aber ich habe wieder Hoffnung bekommen, dass es heutzutage doch noch Ärzte gibt, denen wir Patienten wirklich am Herzen liegen, die uns zuhören, die uns helfen oder die einfach nur mitfühlend für uns da sind!!!

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